Die Bulgaren in ihren historischen, ethnographischen und politischen Grenzen. Atlas mit 40 Landkarten.

Vorwort von D. RIZOFF

 

10. Bulgarien zur Zeit des Samuel

11. Das Patriaрchat von Ochrida

12. Bulgarien zur Zeit des Assen I und Kalojan

13.        „         „     „        Assen II

14.        „         „     „        nach 1355

15. Die ethnographische Karte von Schafarik (1842)

16.   „              „                        „   Ami Boué (1847)

17.   „              „                        „   Dawidowitsch (1848)

18. Die ethnographische Karte von Prof. Dejardin (1853)

19.    „             „                        „   Lejean (1861)

 

10. — Bulgarien zur Zeit des Samuel.

 

Nachdem der byzantinische Kaiser Johann Tzimiskes im Jahre 972 die östliche Hälfte des Bulgarenreiches erobert hatte, hielten die Bulgaren der westlichen Hälfte ihre Unabhängigkeit nicht bloß noch 50 Jahre aufrecht, sondern es gelang ihnen sogar, die östliche Hälfte, die sie verloren hatten (mit Ausnahme des bulgarischen Gebietes in Thrazien) zu befreien und Serbien, fast ganz Albanien und einen Teil von Nordthessalien einzunehmen. Dies geschah unter dem kriegerischen Zar Samuel (980—1014), der während seiner ganzen Regierungszeit ununterbrochen den Byzantinerkaiser Basilius II. bekämpfte. Das Bulgarenreich in seiner größten Ausdehnung (996) unter Samuel, als er auf dem Höhepunkt seiner Macht stand, ist auf der Karte dargestellt. Allein unter den schwachen Nachfolgern des Zaren Samuel konnten die Bulgaren die mehrjährigen heftigen Kämpfe gegen den mächtigen und tatkräftigen Kaiser Basilius II. nicht aushalten, und es gelang diesem schließlich im Jahre 1018, Bulgarien seiner Herrschaft zu unterwerfen. Diese Unterwerfung trug aber keineswegs das Gepräge der Knechtschaft, denn sie erfolgte „kraft Vertrags”. Diese Tatsache hebt Basilius II. selbst in seinem Edikt hervor, demzufolge die Bulgaren ihr Recht auf Autonomie, ihre kirchliche Unabhängigkeit und den Namen ihres Landes beibehalten.

 

Leider gestattet es der Mangel an Raum nicht, hier das von Basilius II. bei der Unterwerfung Bulgariens erlassene „militärisch-administrative Reglement für Bulgarien” wiederzugeben. Danach bewahrte Bulgarien ungeachtet der Teilung in 4 Provinzen, seine Einheit, die in der Person des „Stratigos der Provinz Bulgariens”, zum Ausdruck kam; er trug den Titel „Herzog” oder „Satrap von ganz Bulgarien”, wurde als Vizekaiser betrachtet und seine Residenz war Skopie (Uesküb). Diese Einheit der bulgarischen Gebiete wurde auch durch die Anerkennung der bulgarischen Nationalkirche in den Grenzen der Zeit des Bulgarenzaren Peter — nach dem Vertrag von 927 — gesichert.

 

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( 10. — Bulgarien zur Zeit des Samuel )

 

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11. — Das Patriarchat von Ochrida.

 

Wie erwähnt, hatte Kaiser Basilius II. durch besondere Edikie die völlige Unabhängigkeit der bulgarischen Nationalkirche in ihren alten Grenzen anerkannt. Der Vertreter dieser Kirche trug weiter das Beiwort „Autokepha!” und den Titel „Erzbischof von ganz Bulgarien” und hatte seinen Sitz in Ochrida. Aus diesem Grunde wird das Erzbistum von Ochrida als Fortsetzung des früheren Patriarchats von Drister und Preslaw (zur Zeit der Zaren Simeon und Peter) angesehen, das vom Byzantiner Kaiser Johann Tzimiskes in so willkürlicher Weise abgeschafft worden war. Nach der Unterwerfung erkannte Basiiius II. die Rechte der bulgarischen Nationalkirche in drei an den ersten Erzbischof von Ochrida, den bulgarischen Mönch Iwan, gerichteten Edikten an; dieser, der in Debr geborer. war, wurde von den Bischöfen erwählt und von Basiiius im Jahre 1020 sanktioniert. Nach dem Texte dieser Edikte gehörten zum Patriarchat von Ochrida die folgenden Eparchien:

 

1. Ochrida, 2. Kostur, 3. Glawinitza, 4. Moglen, 5. Pelagoni (Bitolia, Monastir), 6. Strumitza, 7. Morowisd (Bregalnitza), 8. Welbuschd (Küstendil), 9. Triaditza (Sofia), 10. Nisch, 11. Branitschewo, 12. Belgrad, 13. Trap (Srem), 14. Skopie (Üsküb), 15. Prisren, 16. Liplian, 17. Raschka. 18. Orey, 19. Bdin (Widin), 20. Kosil, 21. Tschernitza, 22. Drinopol (Argyrokastro), 23. Botruit, 24. Chimara, 25. Janina, 26. Staj, 27. Petrska, 28. Servija (Selfidsche), 29. Wereja (Karaferija) und 30. Dristar (darunter verstand man alle Eparchien Nordbulgariens).

 

Diese Aufzählung findet sich auch auf der Karte. Das Fragezeichen hinter der jeweiligen Ziffer bedeutet, daß d.e Lage der betreffenden Eparchie noch nicht genau festgestellt ist.

 

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( 11. — Das Patriarchat von Ochrida )

 

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12. — Bulgarien zur Zeit des Assen I. und Kalojan.

 

Der erste mächtige Schlag, der gegen die Byzantiner-Herrschaft geführt wurde, war der von den Brüdern Assen und Peter 1186 im nördlichen Bulgarien hervorgerufene Aufstand. Nach einem kraftvollen zweijährigen Kampfe gegen das byzantinische Joch riefen sie 1187 Bulgariens politische und kirchliche Unabhängigkeit aus, und die Wahl Assens für den Thron legte den Grund zum zweiten Bulgarenreich mit Tirnovo als Hauptstadt. Während seiner neunjährigen Regierung gelang es Assen I. (1187—1196), der die Kampfe mit Byzanz wieder aufnahm, diesmal mit dem Ziel, alle bulgarischen Gebiete zu erlösen und zu vereinigen, fast ganz Nordbulgarien und den Kreis Sofia sowie alle Provinzen südlich vom Balkangebirge und die Sredna-Gora (das nördliche Thrazien) zu befreien. Am Ende seiner Regierung verlegte er die Befreiungsbewegung nach Mazedonien, das Strumatal entlang, ward aber das Opfer eines Meuchelmords und konnte daher seine Macht dort nicht befestigen.

 

Sein Werk wurde jedoch von seinem Nachfolger und Bruder Kalojan (1197—1207) wieder aufgenommen. Dieser Zar verstand es, die unheilvollen Ereignisse, die sich im Kaiserreich Byzanz abspielten,—die Eroberung von Konstantinopel durch die Kreuzfahrer des 4. Kreuzzuges und die Errichtung des lateinischen Kaiserreiches auf der Balkanhalbinsel — wohl auszunutzen. Während die Kreuzfahrer noch mit der Belagerung von Konstantinopel beschäftigt waren, vermochte Kalojan in kurzer Frist fast alle bulgarischen Balkangebiete zu annektieren; im Westen das Morawaland (die Gebiete Branitschewo und Belgrad) und im Südwesten Mazedonien bis zum Fluß Bistritza. Die fast unaufhörlichen Kriege, die bald nachher mit den Lateinern und den Griechen begannen, ermöglichten es ihm, auch alle südbulgarischen Provinzen, einschließlich der Stadt Ser (Serres) zu besetzen. Allein Kalojan konnte seinen Plan, die Lateiner aus der Balkanhalbinsel zu verjagen und Konstantinopel zu erobern, nicht durchführen. Gleich seinem Bruder wurde er, während der Belagerung von Saloniki im Jahre 1207, ermordet.

 

Die Karte zeigt das von Zar Assen 1. befreite und von seinem Bruder Kalojan vergrößerte Bulgarien.

 

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( 12. — Bulgarien zur Zeit des Assen I. und Kalojan )

 

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13. — Bulgarien zur Zeit des Assen II.

 

Das bulgarische Volk erlangte seine vollständige politische und nationale Einigung unter der Regierung des Sohnes Assen I., Iwan Assen II. (1216—1240). Dank seiner Voraussicht und diplomatischen Befähigung bereitete dieser Zar in geschickter Weise den Sturz seines Nebenbuhlers, des Despoten von Epirus, Theodor Angel Komnin, vor, der zur Zeit des schwachen Zaren Boril das bulgarische Gebiet im Südwesten unterworfen und es sogar zuwege gebracht hatte, Saloniki zu erobern. Theodor erklärte sich 1223 zum Kaiser von Saloniki und traf bereits Vorbereitungen, Konstantinopel von der Herrschaft der Lateiner zu befreien, um selbst den byzantinischen Thron zu besteigen. Aber da Theodor Komnin sich vorerst seines Gegners, des bulgarischen Zaren, entledigen mußte, beschloß er, vor allem mit Iwan Assen ein Ende zu machen, und er erklärte ihm tückisch den Krieg. Dieser nahm 1230 mit der berühmten Schlacht von Klokotnitza (jetzt das Dorf Semidsche nordöstlich von Haskowo) ein Ende, wo König Theodor vom Bulgarenzar geschlagen und mit seinem Gefolge gefangen genommen wurde.

 

Nach diesem Geschehnis wurden alle seine Länder einschließlich Albanien dem bulgarischen Staate einverleibt. Thessalien und Saloniki mit ihren Gebieten bildeten eine „Despotie” unter dem Schutze des bulgarischen Zaren, die Verwaltung wurde Manuel, dem Bruder Theodor Komnins und Schwiegersohn Iwan Assens, anvertraut.

 

Die Karte zeigt die Vergrößerung des bulgarischen Staates nach dem Siege von Klokotnitza.

 

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( 13. — Bulgarien zur Zeit des Assen II. )

 

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14. — Bulgarien nach 1355.

 

Nach Iwan Assen II Tode begann der rasche Niedergang des zweiten Bulgarenreiches.

 

Von inneren Kämpfen und Unruhen, die oft in Bürgerkriege ausarteten, zerfleischt und von auswärtigen Feinden (Nizäer, Tataren und, nach Wiederherstellung des byzantinischen Reiches, Byzantiner) fortwährend angegriffen, war Bulgarien ausser Stande, der raschen Erstarkung Serbiens, die am Ende des XIII. Jahrhundert einsetzte, entgegen zu arbeiten. Den serbischen Königen jener Zeit gelang es, ihren Staat auf Kosten bulgarischen Gebietes in der Pomoravagegend und in Mazedonien zu vergrössern, so dass Serbien zur Zeit Stefan Duschan's (1331—1355) seine grösste Ausdehnung erreichte. Aber nach Duschan's Tode zerfiel sein ausgedehntes Reich in eine Zahl von kleineren Staaten, die sich beeilten, ihre Unabhängigkeit zu erklären. So bildeten sich aus den bulgarischen Gebieten in Mazedonien zwei selbständige Kleinstaaten, das Königreich Prilep, dessen Herrscher Volkaschin war und nach dessen Tode sein Sohn Kral Marco, der in der bulgarischen Volkspoesie so wunderbar als Legendenheld gefeiert wird, und das Fürstentum Welbuschd, das von Iwan Dragasch und seiner Mutter und später von seinem Bruder Konstantin, einem Schwiegersohn des Königs von Bulgarien Zaren Iwan Alexander, regiert wurde.

 

Gleich nach dem Jahre 1355 sah sich der damalige Bulgarenzar Iwan Alexander (1331—1371) aus innerpolitischen Gründen gezwungen, die Stadt Bdin (Widin) mit der ganzen Umgegend von seinem Reiche loszulösen und sie seinem ältesten Sohne Iwan Stratzimir zu übergeben, der dieses Gebiet als unabhängiger Zar beherrschte

 

In gleicher Weise trennte sich auch die Provinz der Ostküste (Dobrudscha, Silistria und Warna) als halbsouveränes Fürstentum, das anfangs von Balik, später von Dobrotitsch verwaltet wurde; dieser wurde nach dem Tode Iwan Alexanders selbständiger Herrscher.

 

So zerfiel das alte, grosse Reich Iwan Assen II. nach 1355 in mehrere kleine Staaten: die Königreiche Tirnowo und Widin, die einander fast unaufhörlich bekriegten, das Königreich Prilep, die Fürstentümer Welbuschd und das Küstenland (Primorie). Das Morawagebiet verblieb jedoch in fremden Händen. Das bulgarische Reich, in solcher Art zerfallen, konnte dem furchtbaren Drucke der neuen Eroberer der Balkanhalbinsel, der Türken, nicht widerstehen. Es fiel ihnen leicht, die kleinen Staaten nacheinander zu unterwerfen und gegen Ende des XIV. Jahrhunderts ihre Macht auf der Balkanhalbinsel für die Dauer zu befestigen.

 

Die Karte zeigt den Niedergang des zweiten Bulgarenreiches vor seiner Unterwerfung unter die Herrschaft der Türken.

 

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( 14. — Bulgarien nach 1355 )

 

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15. — Die ethnographische Karte von Schafarik (1842).

 

Der Tscheche Paul Josef Schafarik (1795—1861) ist der erste slawische Gelehrte, der eine Karte der ethnographischen Grenzen der slawischen Völker entworfen hat. Die hier in Faksimile wiedergegebene Karte ist seiner 1842 in Prag erschienenen ethnographischen Karte „Slovansky Zemêvid” entnommen. Bloß der die Balkanhalbinsel betreffende Teil ist nachgedruckt, und zwar genau im Maßstab des Originals.

 

Schafarik hat die Ralkanhalbinsel nicht bereist allein, er war stets in Verbindung mit den Bewohnern der Balkanländer, kannte die Geschichte, die Sprache, die Literatur und die Altertümer der slawischen Völker gut, und was hier das Wichtigste ist, er kannte die serbische Sprache und die Grenzen der serbischen Rasse gründlich, da er vierzehn Jahre (1819—1833) Professor am serbischen Lyceum in Nowi-Sad (Ungarn) war.

 

Erst im Jahre 1833 ging er vom Lyceum ab und ließ sich in Prag nieder. Dort widmete er sich dem Studium des Slawentums, womit er nach Angabe seines Biographen (siehe: „La Grande Encyclopédie”, 29. Band) bereits im serbischen Lyceum begonnen hatte.

 

Die Karte von Schafarik geht hinsichtlich der Balkanländer nicht ins einzelne, sein Verdienst besteht jedoch darin, daß er als erster und sehr richtig, die Bulgaren von ihren Nachbarn — den Serben, Rumänen, Griechen und Albaniern — abgegrenzt hat. Nach Schafarik sind fast ganz Mazedonien, die Region Nisch und sogar ein Teil des heute russischen Beßarabien von Bulgaren bewohnte Gebiete.

 

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( 15. — Die ethnographische Karte von Schafarik (1842) )

 

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16. — Die ethnographische Karte von Ami Boué (1847).

 

Ami Boué (1794—1831), von französischer Abstammung, ist der erste, für wissenschaftliche Forschung entsprechend vorgebildete Forschungsreisende, der die Balkanhalbinsel bereist hat (1835—1838). Seine zahlreichen Arbeiten über die europäische Türkei erweisen große Sorgfalt bei der Erforschung der besuchten Gebiete. Die erste Stelle unter diesen Arbeiten gebührt seinen beiden Hauptwerken „La Turquie d'Europe”, Paris 1840 (vier starke Bände) und „Recueil d'itinéraires dans la Turquie d'Europe”, Wien 1854 (zwei Bände). Seine Karte besitzt außerordentliche Wichtigkeit, weil er an Ort und Stelle gründlichste Studien gemacht hat. Sie war anfangs bloß einigen Exemplaren des Werkes beigefügt; es waren dies Originale, die Boue selbst koloriert hatte. Später ist die Karte im „Physikalischen Atlas” von Berghaus erschienen; sie ist hier in etwas verjüngtem Maßstab, aber in der. Farben des Originals faksimiliert. Besonders gut sind die westlichen Grenzen des bulgarischen Volkes gezogen, was darauf zurückzuführen ist, daß Ami Boue gerade in den Grenzgebieten sehr eingehende Studien gemacht hat.

 

P. N. Miljukoff, der erste Minister des Auswärtigen im revolutionären Rußland, einer der besten zeitgenössischen Kenner der Balkanhalbinsel, spricht sich in folgender Weise über den wissenschaftlichen Wert dieser Karte aus.

 

„Ami Boué hat während des dritten Jahrzehnts des XIX. Jahrhunderts die türkischen Provinzen durchreist. Die von ihm bearbeitete, von Berghaus gedruckte ethnographische Karte der Balkanhalbinsel ist deshalb von großem Interesse, weil sie die erste ist, die vor Beginndes tendenziösen nationalen Streites um den Besitz Mazedoniens erschienen ist. So bringt die Karte bloß das, was der Verfasser selbst an Ort und Stelle gesehen und gehört hat ohne irgend welche andere Auslegungen. Die slawischen Bewohner Mazedoniens werden von A. Boue als Bulgaren betrachtet, weil sie selbst sich „Bugari” nennen.” (Siehe P. N. Miljukoff: S Ethnographische Karten von Mazedonien mit Text. St. Petersburg 1900).

 

Nach A. Boué sind ganz Mazedonien (bis auf den südlichen Teil) mit dem Fluß Tscherni Drin als westliche Grenze, das ganze südliche Morawa-Becken mit den Städten Nisch, Leßkowetz, Wranja, Prokupie, Pirot usw., die ganze Dobrudscha und selbst ein Teil von Russisch-Beßarabien hauptsächlich von Bulgaren bewohnte Gebiete.

 

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( 16. — Die ethnographische Karte von Ami Boué (1847) )

 

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17. — Die etnographische Karte von Dawidowitsch (1848).

 

Diese Karte ist serbischen Ursprungs. Sie trägt auf dem Original die Bezeichnung „Von Serben bewohnte Gebiete” und ist ein Anhang zu dem Buche „Geschichte des serbischen Volkes, von Dimitri Dawidowitsch herausgegeben, und von Alfred Vigneron ins Französische übertragen, Belgrad 1848” Diese Geschichte ist 1821 in Wien erschienen, während die neue, gleichfalls in das Französische übersetzte Ausgabe auf Kosten des serbischen Staates veröffentlicht wurde; Geschichtsforscher und Geographen machen von ihr häufig Gebrauch. Die Tatsache, daß das Werk auf Kosten der serbischen Regierung herausgegeben und in das Französische übersetzt wurde, läßt keinen Zweifel darüber aufkommen, daß die serbische Regierung jener Zeit seinen Inhalt vollkommen billigte und daß das Buch für die Fremden bestimmt war, die daraus die Geschichte Serbiens sowie die ethnographischen Grenzen des serbischen Stammes kennen lernen sollten. Auf der Karte wie in dem Buch, dem sie beigefügt ist, liegen nicht bloß Mazedonien, sondern auch die Städte Nisch, Leßkowetz, Wranja, Pirot, selbst Prischtina und Nowi-Pazar außerhalb der Grenzen des serbischen Stammes.

 

Die Karte ist in Faksimile nachgedruckt, eine Färbung erschien jedoch unvermeidlich, denn die kleinpunktierte Linie, die die von Serben bewohnten Landstriche umgrenzt, ist im Original zu dünn und im Nachdruck nicht deutlich genug, so daß die Linie der Südostgrenze, selbstverständlich auf Grund der Vorlage und unter Wahrung der kartographischen Genauigkeit, mit roter Farbe hervorgehoben werden mußte.

 

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( 17. — Die etnographische Karte von Dawidowitsch (1848) )

 

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18. — Die ethnographische Karte von Professor Dejardin (1853).

 

Auch diese Karte ist serbisch. Sie hat den Titel „Serbien und die Gebiete, in denen man serbisch spricht usw. von Professor K. Dejardin Belgrad, 1853.” Obgleich ihr Autor einen französischen Namen trägt, war er seinerzeit einer der am besten unterrichteten Professoren in Serbien. Der Verfasser bemerkt bescheiden, seine Karte sei nach „Dawidowitsch und anderen serbischen Autoren” zusammengesetzt. Sie stellt tatsächlich die Grenzen des Bereiches der serbischen Sprache so dar, wie es jene Gelehrten von damals taten, die vom chauvinistischen Ailserbentum nicht angesteckt waren. Unter diesem Gesichtspunkt ist diese Karte ein sehr wertvolles Dokument für die Beurteilung der serbischen Ansprüche von heute.

 

Es lässt sich leicht feststellen, dass auch auf dieser Karte weder Mazedonien noch die Städte Bela-Palanka, Pirot, Lesskowetz und Wranja in die „Gebiete, in denen man serbisch spricht,” einbezogen sind.

 

Wäre diese Karte (wie übrigens auch die von Dawidowitsch) vor dem Jahre 1833 herausgegeben worden, so hätte man ohne jeden Zweifel das Becken des TimokfJusses nicht den „von Serben bewohnten Gebieten” und „in denen man serbisch spricht” zugeteilt, weil die Türkei dieses Becken dem Fürstentum Serbien erst 1833 überlassen hat. Aus der Geschichte Serbiens geht hervor, dass die Täler der Flüsse Timok und Nischawa bis zum Berg Kunowitza niemals zu Serbien gehört haben — nicht einmal zur Zeit Duschans, als Serbien den Höhepunkt seiner Macht erreicht hatte, nicht einmal als das serbische Patriarchat in Ipek bestand. Diese Tatsachen werden durch die Karten des Werkes „Geschichte des serbischen Volkes” von Professor St. Stanojewitsch festgestellt. Seine Geschichte ist das beste serbische Lehrbuch dieses Stoffes und als solches in allen Gymnasien Serbiens emgeführt.

 

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( 18. — Die ethnographische Karte von Professor Dejardin (1853) )

 

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19. — Die ethnographische Karte von Lejean (1861).

 

Guillaume Lejean (1828—1871) war einer der eifrigsten und kühnsten französischen Forschungsreisenden. Er bereiste zweimal die europäische Türkei, und zwar 1857—1858 und 1867—1869, das letzte Mal in seiner Eigenschaft als französischer Vizekonsul. Der Zweck dieser im Auftrage der französischen Regierung unternommenen Reise war, eine Karte der europäischen Türkei herzustellen. Der frühzeitige Tod Lejeans verhinderte die Ausführung; es gelang ihm jedoch, sehr wichtige geographische und ethnographische Arbeiten über die europäische Türkei zu veröffentlichen, von denen seinem in deutscher und französischer Sprache herausgekommenen Werke „Ethnographie de la Turquie d'Europe par G. Lejean. Gotha Justus Perthes 1861” ein beachtenswerter Platz zukommt.

 

Diesem Werk ist die hier wiedergegebene Karte entnommen. Sie enthält einige Irrtümer, z. B. sie zeigt zu viel Türken in Ost-Bulgarien, gibt für die Ochrida-Gegend serbische Siedlungen und für die Wratza-Gegend rumänische an, die niemals bestanden haben. Dagegen verbessert Lejean mehrfach gewisse Irrtümer seiner Vorgänger in bezug auf den Umfang der bulgarischen Bevölkerung in der Gegend von Nisch und in der Dobrudscha.

 

Nach Lejean sind fast ganz Mazedonien (mit Ausnahme von Saloniki und eines Grenzstriches im südöstlichen Mazedonien), die ganze Gegend von Nisch, das Küstenland der Dobrudscha und ein Teil von Russisch-Bessarabien hauptsächlich bulgarische Gebiete.

 

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( 19. — Die ethnographische Karte von Lejean (1861) )

 

 

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